Wassersportschule: Nach England immer geradeaus

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Segeltörn nach England

Im Jahre 2015 begannen bereits die Planungen für einen Törn nach England/Lowestoft. Laut Veröffentlichungen in holländischen Foren wollen 70 % aller Bootseigner in den Niederlanden den Schlag nach England wagen. Nur 3 % hiervon  erreichen ihr Ziel. Die Wintermonate wurden zur Vorbereitung des Törns genutzt. Der Leiter des Wassersportschule des BCN, Gerhard Brokamp und seine Crew,  Jürgen Göllner und Arno Führer, brachen am 03.06. – 10.06.2016 zu einem Segeltörn nach England auf. Die Segelyacht, eine „Bavaria36“,  wurde am 3.6.16 (Freitag) in Stavoren übernommen.

Schon am späten Nachmittag ging es gleich los Richtung Den Helder, da man die ablaufende Tide noch nutzen wollte.

Ab Stavoren ging es mit 288°  Richtung Den Oever. Hier mußte durch den Abschlußdeich geschleust werden. Nach einer kurzen Wartezeit ging es dann durch die Wattenfahrwasser Visjagersgaatje und Malzwin weiter nach Den Helder. Das ablaufende Wasser schob ordentlich mit, so dass schon um 21.15 Uhr im Yachthafen Den Helder festgemacht wurde. Da der Wind an diesem Tag schwach und vor allem aus der falschen Richtung kam, war die Maschine das Hauptantriebsmittel. Am nächsten Tag stand dann der lange Schlag nach Lowestoft in England bevor. Die Ditstanz ist ca. 120 sm. Wenn man im Schnitt mit 5 kn pro Stunde rechnet, dann sind das genau 24 Stunden. Um 8.45 Uhr wurde abgelegt. Der Zeitpunkt war wieder so gewählt, dass die ablaufende Tide ein zusätzlichen Schub Richtung Südwesten gab. Per Funk erfolgte die Abmeldung bei der Verkehrszentrale Den Helder. Man wünschte eine gute Reise nach Lowestoft. Es ging bei herrlichem Sonnenschein durch das Schulpengat entlang der bekannten Urlaubsorte Julianadorp und Callantsoog, wobei der Abstand vom Festland immer größer wurde. Um 14.30 Uhr war die Tonne TX 1 erreicht. Eine wichtige Marke. Denn hier endet der nördliche Einbahnweg des Verkehrstrennungsgebiets OFF Texel. Hier wird die Großschifffahrt aus Sicherheitsgründen in getrennten Wegen mit entsprechenden Trennzonen in die entsprechenden Richtungen geleitet. Da Segelyachten diese Gebiete nur in 90° zur allgemeinen Verkehrsrichtung queren dürfen, war die Tonne TX 1 in sofern günstig, dass im weiteren Verlauf nur der südliche Einbahnweg vorschriftsmäßig gekreuzt werden mußte. Das war immerhin 311°, eigentlich nicht so „zielführend“, ab dafür hier nur für eine kurze Strecke. Danach ging es wieder auf 260° auf direktem Wege Richtung Lowestoft. Der Wind passte, kam auch aus der richtigen Richtung, so dass mit einem Halbwindkurs das Ziel sauber angesteuert wurde.

Gerd Brokamp

Gegen 22.00 Uhr wurde es langsam dunkler. Das Radargerät war eine gute Hilfe, auch bei Dunkelheit die Kurse der Großschifffahrt gut abzuschätzen. Kein Schiff kam näher als ca. 1 sm. Als Segelyacht hat man das Privileg, das Maschinenfahrzeug im freien Seeraum ausweichen müssen, was auch geschah. Ein wichtiger Akt war noch das Wechseln der Gastlandflagge, die niederländische wurde an der Steuerbordsaling eingeholt und die englische gesetzt. Der Wind erreichte nachts teilweise Sturmstärke, so dass bis zu 11 kn. über Grund erreicht wurden, wobei der Strom natürlich auch mithalf. Die zahlreichen Bohrinseln und Plattformen erforderten zudem eine erhöhte Aufmerksamkeit. Gegen 6.00 Uhr hätte man normalerweise die englische Küste sehen sollen, aber der typische englische Nebel verhinderte dies. Aus Sicherheitsgründen wurden die Segel geborgen und weiter unter Maschine gefahren. Das Radargerät gab auch hier wieder die nötige Sicherheit. Durch den starken Wind aus Nordosten und die geringer werdende Wassertiefe baute sich vor Lowestoft eine ordentliche Welle auf. Aus Sicherheitsgründen wurde Lowestoft von Süden her angefahren, da die Wassertiefe hier größer war als auf der nördlichen Passage. Nach Rundung der südlichen Gefahrentonne S Holm ging es durch den Stanford channel  auf direktem Weg nach Lowestoft. Über Funk erfolgte die Anmeldung bei „Lowestoft Harbour Radio“ und es wurde zugleich die Genehmigung zum Einlaufen erteilt.

Um 8.45 Uhr lag die Bavaria nach ziemlich genau 24 Stunden  fest vertäut in dem Yachthafen des „Royal Norfolk & Suffolk Yacht Club“. Durch die Zeitverschiebung war es hier erst 7.45 Uhr. Nach kurzem Aufklarieren erfolgte erst mal ein paar Stunden Ruhepause für die Segler.  Der restliche Tag wurde mit Sightseeing verbracht, immerhin ist Lowestoft, der östlichste Ort Englands ein berühmter Urlaubsort mit einer ausgedehnten Strandpromenade. Am nächsten Tag wurde um 14.45 Uhr wieder abgelegt. Über Funk gab es die Genehmigung zum Auslaufen und es ging mit ziemlichgenau 90° zurück Richtung Niederlande, diesmal Ijjmuiden. Um 12.30 Uhr des Folgetages wurde in der dortigen Marina nach rund 21 Stunden wieder sicher festgemacht. Am folgenden Tag, den 08. Juni ging es dann durch die Zuidersluis durch den Noordzeekanaal, vorbei an Amsterdam auf das Markermeer. Tagesziel war das schöne Städchen Hoorn. Dieses wurde um 19.20 Uhr erreicht. Am vorletzten Tag ging es dann durch die Schleuse bei Enkhuizen zurück ins Ijsselmeer, Tagesziel war Medemblik. Um 18.45 Uhr wurde mitten in der Stadt in einem beschaulichen Hafen festgemacht.

Am letzten Tag wurde um 9.00 Uhr abgelegt und die Bavaria wurde einmal quer über das Ijsselmeer in den Heimathafen Stavoren zurückgeführt. Der Wind war diesmal schwach und so erfolgte die letzte Etappe unter Maschine. Um 11.45 Uhr lag die Bavaria nach 330 Seemeilen (ca. 611 km) gut und sicher wieder in der Heimatbox.

Die gute Vorbereitung und das eigene seglerische Können haben sich ausgezahlt. Dieser Törn wurde zu einem unvergesslichen Erlebnis und macht bereit für die nächsten Herausforderungen.