
Rudertour auf der Mecklenburger Seenplatte
Eigentlich sollte die diesjährige Wanderruderfahrt in Hann. Münden stattfinden. Doch Pläne ändern sich, besonders wenn eine Handbreit Wasser unter dem Kiel nicht genug sind. Die niedrigen Pegelstände ließen die geplante Tour buchstäblich ins Wasser fallen.
Doch wo ein Problem ist, braucht es bekanntlich einen Tourverantwortlichen mit Fantasie. Und so zauberte unser Tourverantwortlicher kurzerhand ein Substitut aus dem Hut: Mirow. Spontan geboren, aber ein echter Volltreffer.
Mit dabei waren neun wackere Ruder*innen aus den Reihen des Bootsclubs Nordhorn, des Rudervereins Leer und des Wassersportvereins Meppen. Als Gastgeber fungierte der Ruderverein Blau-Weiß Mirow, der uns ausgesprochen freundlich empfing. Auch Petrus zeigte sich von seiner kooperativen Seite: Das Wetter bot den perfekten Wanderruder-Mix aus Sonne und Wolken – warm genug zum Genießen, aber nicht so warm, dass man bereits auf dem Steg lieber ans Freiwasserschwimmen dachte.
Tag 1 – Fünf Seen und fünf Sterne
Zum Auftakt stand die 5-Seen-Fahrt auf dem Programm. Der Name versprach bereits einiges – und die Landschaft hielt Wort. Ruhige Gewässer, schöne Natur und eine ausgesprochen harmonische Mannschaft machten den Einstieg in die Fahrt angenehm.
Das Miteinander der drei Vereine funktionierte reibungslos. Es wurde gerudert, gelacht und die Umgebung genossen. Ein Auftakt, bei dem man bereits ahnen konnte, dass die unfreiwillige Planänderung vielleicht gar keine so schlechte Idee gewesen war.
Tag 2 – Müritz, Umtragen und ein Bootswagen mit Charakter
Am zweiten Tag wartete die Müritzumfahrung. Die Dimensionen der Müritz machten schnell klar: Mecklenburg hat Gewässer, bei denen man sich durchaus fragt, ob man eigentlich noch rudert oder schon eine kleine Binnen-Seereise unternimmt. Die Tour startete morgens gleich mit der ersten Attraktion – Schleusendurchfahrt!
Eine besondere Herausforderung erwartete die Mannschaft bei der Umtragung der Boote „Peetsch“und „Caarpsee“ an der ehemaligen Schleuse des Boltener-Kanals. Zum Einsatz kam dabei ein abenteuerlich Bootswagen, dessen Beräderung irgendwo zwischen Ingenieurskunst, Improvisation und „das wird schon schiefgehen“ angesiedelt war.
Hierbei zeigte sich, dass Wanderrudern nicht nur aus elegantem Gleiten über das Wasser besteht, sondern eben auch eine ordentliche Portion Landarbeit dazu gehört.
Tag 3 – Rätzsee, Fleethner Mühle und die Kunst des Umtragens
Der dritte Tag führte die Mannschaft zur Rätzseeumfahrung. Wieder einmal zeigte sich die Mecklenburgische Seenplatte mit ihren dschungelartigen Verbindungen von ihrer schönsten Seite – und erinnerte die Ruder*innen an die Ganzheitlichkeit des Wanderruderns. An der Fleethner Mühle stand nämlich das nächste Umtragen an.
Für diesen Zweck kam eine echte Spezialanfertigung zum Einsatz: ein zusammensteckbarer Bootswagen, offenbar eigens für außergewöhnliche Situationen entwickelt, dessen Ingenieurskunst bereits Tags zuvor hätte überzeugen können. Die Mannschaft bewältigte auch diese Herausforderung souverän. Allerdings konnten sich die Ruder*innen über zahlreiche nasse und sandige Füße freuen. Einziger Wermutstropfen: ein Wasserschuh blieb hartnäckig im Schlamm haften und versuchte offenbar, einen neuen Lebensmittelpunkt zu finden; doch die Verbindung riss.
Wenn der Tag endet, beginnt die kulinarische Etappe
Nach den täglichen sportlichen Herausforderungen wurde auch die abendliche Verpflegung mit gebotener Ernsthaftigkeit angegangen. Kulinarische Stationen waren die Schlossbrauerei, das Mendoza sowie das malerische Gelände des Mirower Rudervereins.
Dort wurden die verbrauchten Energiereserven fachgerecht wieder aufgefüllt.
Tag 4 – 92 Kilometer und ein königlicher Abschluss

Nach insgesamt 92 geruderten Kilometern bildete eine ausgesprochen aufschlussreiche Führung durch die familiären Verhältnisse des englischen und preußischen Königshauses, veranschaulicht am Beispiel von Herzogin Sophie Charlotte, im Schloss von Mirow, den Abschluss der Reise.
Manchmal muss eine geplante Fahrt ins Wasser fallen, damit eine noch bessere Fahrt daraus wird.
Weitere Impressionen der gelungenen Tour – mit dem täglichen Picknick, akrobatischen Übungen ,einer gelungenen Ruderreparatur auf See, das Dschungeldickicht…


Holger



